Holzregal mit alten Lederbänden und einem kleinen Hygrometer in einem Wohnraum
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Heizungsluft und alte Bücher: So überstehen Ihre Schätze den Winter

Mit dem ersten kühlen Abend wird bei vielen die Heizung aufgedreht. Für Menschen ist das angenehm, für alte Bücher weniger. Papier, Leder und Leim reagieren empfindlich auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit, und die Heizsaison verändert beides deutlich. Wer ein paar Grundregeln beachtet, erspart seinen Büchern Schäden, die sich später kaum rückgängig machen lassen.

Was trockene Luft mit Papier und Leder macht

Warme Heizungsluft ist trocken. Papier gibt dann Feuchtigkeit ab, Seiten werden spröder, und alte Leimbindungen können nachgeben. Besonders gefährdet sind Ledereinbände: Sie trocknen aus, werden an den Gelenken rissig und beginnen irgendwann zu pudern. Pergament reagiert noch stärker und wirft sich, wenn die Luft rasch wechselt.

Ideal ist ein Raum, der gleichmäßig temperiert ist und nicht ständig zwischen warm und kalt pendelt. Als Faustregel gilt eine mittlere Luftfeuchtigkeit, grob um die 50 Prozent. Ein einfaches Hygrometer im Bücherzimmer zeigt schnell, ob man davon weit entfernt ist. Wenn die Werte im Winter deutlich darunter fallen, hilft oft schon eine Schale Wasser auf dem Heizkörper in einem anderen Teil des Zimmers oder eine Zimmerpflanze.

Umgekehrt sollte man Luftbefeuchter nicht direkt neben das Regal stellen, denn sie können das Papier stellenweise zu feucht werden lassen.

Die Gegenseite: Feuchtigkeit und Stockflecken

Mindestens genauso gefährlich ist das Gegenteil. An kalten Außenwänden kann sich im Winter Feuchtigkeit niederschlagen, und ein Regal, das direkt davor steht, bekommt diese Feuchtigkeit ab. Die Folge sind Stockflecken, braune Sprenkel auf dem Papier, und im schlimmsten Fall Schimmel. Ein muffiger Geruch beim Aufschlagen ist ein Warnzeichen, das man ernst nehmen sollte.

Betroffene Bücher gehören sofort aus dem Regal und getrennt von den anderen gelagert. Weißliche oder farbige Beläge bitte nicht einfach abwischen oder abklopfen, da sich die Sporen so verteilen. Bei wertvollen Stücken lohnt sich der Rat einer Restauratorin oder eines Restaurators.

Leichte, bereits trockene Stockflecken sind dagegen meist kein akutes Problem. Sie mindern zwar den Sammlerwert, breiten sich bei guter Lagerung aber in der Regel nicht weiter aus.

Der richtige Platz im Raum

Die meisten Schäden lassen sich schon durch den Standort vermeiden. Diese Punkte haben sich bewährt:

  • Regale an Innenwänden aufstellen, nicht an Außenwänden und nicht in Kellerräumen
  • einige Zentimeter Abstand zur Wand lassen, damit Luft zirkulieren kann
  • Heizkörper, Kamin und Ofen meiden, ebenso direkte Sonne
  • Bücher aufrecht und weder zu locker noch zu gedrängt stellen, große Formate liegend lagern
  • regelmäßig stoßlüften statt die Fenster dauerhaft gekippt zu lassen
  • Schutzumschläge aus Papier bei wertvollen Bänden nutzen, aber keine luftdichten Plastikhüllen

Wer seine Bücher im Winter hin und wieder aus dem Regal nimmt, aufschlägt und kurz durchblättert, bemerkt Veränderungen früh. Und nebenbei gibt es kaum einen schöneren Anlass, einen alten Band an einem langen Abend wieder einmal zu lesen.